|
Andreas Fröhlich, ist
uns allen in der Hörspielwelt als "Bob Andrews" bekannt,
aber auch in der Synchronszene hat er einen guten
Namen. Erfahrt wie er zum Schauspieler wurde, was
er über sich selber früher dachte und welcher
eigentlich sein Traumberuf gewesen wäre...
Das Interview wurde mit Andreas Fröhlich und mir (Detlef
Kurtz) per Telefon am 6. Mai 2002 geführt.
Textfassung: Mrs. Andrews vom CLH-Board
Wie immer, gibt es das Interview zum hören oder lesen, wobei der Textauszug - wie immer -
nicht alles "Wortgenau" enthält. Die MP3-Files könnt ihr mit der Funktion "Speichern unter" (Maus-Rechtsklick)
sichern. Zum Abspielen emfpielt sich der Windows-Media-Player oder Programme
wie WinAmp.
Welches war deine allererste Hörspielrolle?
Meine allererste Hörspielrolle war, glaube ich, „Caius ist ein Dummkopf“. Das war
irgendwas bei Kurt Vethake. Da war ich, glaub ich, 6 oder so. Genau, das war das
erste, was ich gemacht habe und dann kurz danach hab ich „Die schwarze Sieben“
gemacht, das war mehr oder weniger eigentlich wirklich das richtig erste. Das
hatte mehrere Folgen, ich glaub, das war auch bei Kurt Vethake; da hab ich den
George gesprochen zusammen mit Oliver Rohrbeck, der damals auch schon mitgemacht
hat und der hat Colin gesprochen. 19... - ja wann war das? 1970 oder so was.
Ne, Quatsch, 70 kann ja gar nicht sein, da war ich ja 5. Ich weiß es nicht
ganz genau, irgendwann in den 70ern.
Und dann kamen gleich die drei ??? anschließend?
Ne, ich hab irgendwann in den 70ern noch so ein paar furchtbare Aufklärungshörspiele
für den SFB gemacht. Da bin ich dann auch relativ schnell rausgefallen, weil mein
Vater irgendwie dahinter gekommen ist, was ich da für furchtbare Sachen in den Mund
nehmen muß und dann hörte meine Hörspielkarriere beim SFB relativ abrupt auf und
dann bin ich relativ schnell zum Synchron gekommen.
War das schon immer dein Traumberuf oder hat sich das so entwickelt?
Das war nicht mein Traumberuf. Ich wollte eigentlich Meeresbiologe werden. Ja, aber
da war ich auch noch sehr jung, das hat sich dann relativ schnell in die Richtung
entwickelt, dass ich wahrscheinlich nicht Meeresbiologe werden kann.
Und auch noch keinen Meeresfilm synchronisiert oder übersetzt?
Ne, hab ich noch nie gemacht; hätt ich ganz gern mal gemacht. Aber ich bin dann später
leidenschaftlicher Taucher geworden, da hab ich das dann sehr ausleben können.
Warum hört man dich denn eher selten in anderen Hörspielen?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Wenn man so lange die drei ??? mitvertont, hat
man, glaub ich, einfach da so einen Stempel abbekommen und dann sagen die grundsätzlich
„Ach, naja, das ist doch sowieso alles nur drei Fragezeichen“. Das hat sich jetzt aber
eigentlich im letzten Jahr massiv geändert. Jetzt geht das irgendwie ziemlich schnell
mit anderen Sachen los, nun läuft das besser. Ich mach jetzt hier sehr viele Sachen
auch für den WDR; das Letzte, was ich jetzt gemacht hab, war „39,90“, dieser
französische Kultautor Frederic Beigbeder - man weiß nicht ganz genau, wie man den
ausspricht, ich jedenfalls nicht. Und dann mach ich jetzt hier mit Tim Staffel Sachen
für den WDR und natürlich diese Hörbücher, da mach ich jetzt auch demnächst wieder
was Neues. Jetzt langsam scheint sich der Knoten zu lösen und ich hab ja auch nicht
soviel Zeit, das kommt ja noch dazu. Ist ja immer `ne terminliche Angelegenheit.
Ist das bei Synchron genauso, dass man dich zuerst abgestempelt
hatte oder war das da einfacher?
Da war’s ja eigentlich eher so, dadurch, dass ich schon sehr früh synchronisiert hab,
hat sich das mit den drei ??? mehr oder weniger dann nicht so herauskristallisiert,
dass die gesagt haben „Mein Gott, das ist ja irgendwie einer von den drei Fragezeichen“
und nun ist meine Stimme jetzt auch nicht so wahnsinnig markant, dass man das
sofort immer merkt. Das ist jedenfalls meine Meinung, ich weiß nicht, wie das ist.
Das ist bei Oliver auf jeden Fall extremer, weil Oli hört man schon viel schneller raus.
Wie gefällt dir die Arbeit an Hörbüchern?
Das macht mir extrem viel Spaß. Das entspricht absolut meiner Arbeitsvorstellung: Ich
bin ganz alleine und les mir das Buch eben vorher ein paar Mal durch und kann dann
eigentlich losschießen. Ich brauche eigentlich in erster Linie auf jeden Fall einen
Regisseur, der mir Zügel anlegt, aber die Zügel so anlegt, dass ich sie eigentlich
gar nicht richtig spüre, das ist mir eigentlich immer am liebsten. Also, wenn wir
vorher ausgiebige Diskussionen haben, wie das Ganze anzulegen ist, dann ist das
eigentlich sozusagen meine Lieblingsart zu arbeiten, das ich das nicht so extrem
spüre. Aber das Gute ist einfach dabei, dass ich mich voll und ganz einfach auf
die Rolle konzentrieren kann und auf die Geschichte. Und mir liegen eigentlich in
erster Linie die Ich-Erzählungen am meisten.
Ja, da war ja auch `ne ganz lustige dabei, „Für das Beste im Mann“...
Genau, ja, das hat Spaß gemacht.
Kommt man da überhaupt zum Lesen bei solchen lustigen Texten?
Ob man zum Lesen kommt? Andere Sachen lesen oder was?
Ne ne, während der Aufnahme.
Ach so, naja, klar, ich muss ja den Text schon irgendwie vorbereitet haben und dann
muss ich loslegen, klar, auf jeden Fall.
Was erfordert denn mehr Können, deiner Meinung nach, ein Hörbuch
oder eine Hörspielrolle?
Ich denke mal, beim Hörbuch ist es so, dass man sehr konzentriert arbeiten muss. Wenn
man dann frühmorgens um 10 anfängt oder so, ist die Stimme auch immer noch so ein
bisschen belegt und man muss dann immer ein bisschen auf Anschlüsse achten. Wenn man
am nächsten Tag wieder um 9 anfängt oder um 10 anfängt, ist die Stimme auch wieder
belegt. Am Abend gegen 16 Uhr, wo man dann meistens aufhört, hat die Stimme sich
natürlich schon total eingesprochen und dann ist sie nicht mehr so belegt und dann
gibt es da immer Schwierigkeiten, wieder neu reinzukommen und das ist vielleicht
immer so ein bisschen das Problem. Was mehr Können erfordert, kann ich gar nicht
so richtig sagen. Es ist auf jeden Fall viel, viel anstrengender, wenn man 2 Tage
oder 3 Tage oder 4 Tage oder 5 Tage hintereinander wirklich spricht; dann liest
man am Ende des Tages nur noch Blödsinn, egal, was da für einfache Sätze stehen,
man verplappert sich permanent, weil man die Konzentration gar nicht mehr so hat.
Hörst du die drei ??? auch selber?
Ich hör da schon mal rein, ja, doch, und muss dann oft auch sehr schmunzeln. Das
Interessante ist, dass wir natürlich nie richtig wissen, wie sich das Hörspiel
zum Schluß in irgendeiner Form darstellt, weil wir nicht genau wissen, was für
Musiken kommen und wie die Akustik ist. Das wissen wir natürlich nicht, das ist
dann immer eine große Überraschung. Ich hör das schon ganz gerne. Man möchte
natürlich auch so`n bisschen wissen, wie funktioniert das oder wie funktioniert
das nicht. Oder wenn man irgendeine Geschichte hat, wo man sagt, mein Gott,
das ist nun auch `ne Geschichte, mit der man nicht so wahnsinnig viel anfangen
kann, dann ist man natürlich trotzdem noch mal interessiert - lag man da
richtig oder hat man sich da getäuscht oder ist die Geschichte wirklich so
dämlich, wie man das von Anfang an geglaubt hat? Sowas passiert natürlich
mal. Es gibt ja bessere Folgen und dann gibt’s schlechtere Folgen.
Warst du von dem Erfolg der Nr. 100 überrascht?
Da war ich wirklich sehr überrascht, ja, das hätte ich nicht für möglich gehalten.
Das find ich aber auch wirklich klasse, das hat mich sehr, sehr, sehr gefreut,
dass es dann wirklich noch so viele alte Fans gibt, die sagen „So, jetzt die
Hundertste, die kaufen wir uns auch alle.“ Das ist schon wirklich ein Hammer
und es sind ja auch wieder ganz neue Leute dabei; ich denke mal, das sind
mittlerweile auch schon wieder Kinder von den alten Fans. Da wächst so eine
zweite Generation heran und das freut mich natürlich sehr, find ich sehr schön.
Was meinst du, woran es generell liegt, dass das Hörspiel
jetzt wieder ein bisschen mehr Anerkennung findet? In den 90ern war es ja fast
tot, da gabs ja nur die drei ??? und TKKG und jetzt kommen mehrere Serien wieder an Land.
Ja, ich weiß gar nicht so genau. Ich denke mal, überhaupt dieser ganze Hörbuchmarkt
entwickelt sich zum Beispiel in Amerika schon seit längerer Zeit zu einem absoluten
Knüller; da hören die Leute permanent Hörbücher. Ich weiß nicht, wie das mit
Hörspielen ist, ich glaube in erster Linie Hörbücher, wahrscheinlich ist man auch
so ein bisschen übersättigt, man kriegt diese ganze Fernsehware immer nach Hause
geliefert und ich glaub, die Leute sind ein bisschen fernsehmüde und alles so
vorgekaut zu kriegen... Da ist es glaub ich jetzt so, dass man sagt, man möchte
wieder so den Film im Kopf haben, die Geschichte im Kopf, man möchte eigene
Bilder haben. Woran es jetzt wirklich genau liegt, weiß ich nicht. Das ist
natürlich dann alles immer noch so eine Marketingstrategie. Ich weiß es nicht
so genau, ich bin aber sehr froh darüber. Ich finde es auch klasse, dass es
jetzt „Point Whitmark“ gibt und so, das find ich belebt das auf jeden Fall;
das ist auch gut so, das muss es auch geben.
Wie lange hast du noch vor, die Rolle zu sprechen?
Gibt’s da irgendwo jetzt so ein Ziel, wo du sagst „Mit 40 mach ich das nicht mehr“?
Ich hab gesagt, mit 98 werd ich`s auf jeden Fall nicht mehr machen! Nein, ich denke mal,
das werden dann einfach die Fans entscheiden, die werden dann einfach sagen „So, jetzt
reicht’s uns aber auch“. Das kommt ja auch immer darauf an, inwieweit sich das verkauft
und inwieweit sich das rechnet und solange uns das noch Spaß macht... Wir sind ja
wirklich ein sehr eingefleischtes Team mittlerweile, also es ist jetzt nicht so, dass
der eine sagt „Ich hör jetzt auf“ und die anderen machen noch weiter. Wenn der eine
sagt „Ich hab jetzt keinen Bock mehr“, dann werden wir alle aufhören. Und im Augenblick
ist es jetzt aber so, dass wir dadurch, dass wir ja im Herbst auf jeden Fall noch
diese Livetournee machen, die wird am 16. September, glaub ich, losgehen, da sind wir
ja natürlich unseren Fans dann auch noch verpflichtet, dann auch noch ein bisschen
weiter zu machen, weil das Ganze das natürlich auch durch die Gegend trägt.
Weißt du zu dieser Tournee schon was Neues, es gibt da
unterschiedliche Meinungen. Einmal wird gesagt „Das ist nur eine Hörspielfolge,
die noch nicht draußen ist“ und das andere Mal, das hat auch Oliver gesagt,
„Ne, das ist was ganz Neues“. Ist das was ganz Spezielles?
Es ist wirklich was ganz Neues. Es ist eine Geschichte, die keiner kennt, eine völlig
neue Geschichte und um was es da genau geht, möchte ich eigentlich nicht verraten,
aber das wird auf jeden Fall sehr spannend. Es wird auf jeden Fall davon - so ist
das jedenfalls geplant, das ist ja noch ein bisschen hin - auch eine CD geben, aber
eben eine Live-Mitschnitt-CD; man ist dann wirklich sozusagen live dabei.
Wie wird das denn angelehnt, also ihr drei seid ja dabei,
wie macht man das denn mit den Gastrollen?
Ja, das ist auch noch nicht so richtig klar. Also, wir sind jetzt auch gerade erst
mal in der heißen Vorbereitungsphase. Wir werden höchstwahrscheinlich noch einen
Erzähler auf der Bühne haben und wir werden auch noch ein paar Extrarollen auf
der Bühne haben und wir werden wahrscheinlich auch einen Geräuchemacher auf der
Bühne haben.
Und das geht dann durch ganz Deutschland?
Also, durch ganz Deutschland, denk ich mal, wird’s nicht gehen, aber es wird
14 Auftrittsorte geben, glaub ich.
Schön breit gestreut dann.
Ja, irgendwie so. Also, wir werden versuchen, die ganzen großen
Drei-Fragezeichen-Hochburgen zu erreichen - wenn uns das gelingt.
Gibt es besondere Drei-Fragezeichen-Folgen, die dir ans
Herz gewachsen sind?
Das ist immer so ganz kompliziert, ich hab dann manchmal so Folgen, wo ich denke
„Die find ich ganz toll“ und dann ergibt sich dann aber auch schon wieder was
anderes. Eine Zeit lang fand ich mal, ich weiß gar nicht, jetzt hab ich den
Namen schon wieder ganz vergessen. Das ist so `ne Folge, da irren sie einfach
nur durch die Wüste und sind die ganze Zeit nur am Quatschen und letztendlich
passiert nicht großartig viel - „Gefährliche Fässer“ oder so was. Also, ich
glaube auf jeden Fall eine Folge jetzt nicht für die Fans, die sagen „Genau
die Folge find ich auch ganz toll“, sondern da kann ich mich noch dran erinnern,
dass wir sehr viel rumgealbert haben bei der Folge und die ist mir noch sehr
im Gedächtnis. Die ganzen alten Folgen zum Beispiel, da kann ich mich oft an
viele Sachen gar nicht mehr erinnern und von den neuen finde ich eigentlich
„Nacht in Angst“ ganz gut. Das ist diese Geschichte in dem Museum und das
fand ich eigentlich ganz gut. „Labyrinth“ fand ich auch ganz gut, auch nicht
schlecht. Aber es wechselt eigentlich immer. Ich präferiere eigentlich in
erster Linie solche Folgen, wo wir sehr viel Spaß miteinander hatten, also
dialoglastige Sachen.
Ja, klar, da hat man ja auch mehr zu tun.
Ja, und manchmal natürlich auch die Action, weil das dann immer sehr, sehr
witzig ist, wenn wir dann da zusammen die Action aufnehmen bei den drei ???
Da müssen wir auch immer sehr lachen. Ich glaub, da wird immer sehr viel
rausgeschnitten.
Ich hab im Fernsehen mal so eine kleine Studioaufnahme
von euch gesehen. Ist das tatsächlich so, dass ihr auch Geräusche teilweise
selber mitmacht?
Ja , das machen wir manchmal schon. Wir machen dann manchmal ein bisschen
zu viel mit, was dann immer so’n bisschen rausgeschnitten wird. Wir machen
das Telefon mit, wir machen Taschenlampen an, Taschenlampen aus, wir machen
Walkie Talkie mit, wir machen Computertastaturgeschichten mit. Das ist
eigentlich auch das Schöne, das wir immer noch so wirklich vor Ort alles
so ein bisschen aufbauen oder damit spielen. Das macht ja wahrscheinlich
auch so ein bisschen den Charme der drei ??? aus, dass man gleich mitspielt,
dass man wirklich mehr agiert. Also, ich sitze ja eigentlich immer neben
Jens und Jens wird von mir auch permanent immer an der Schulter gerüttelt
oder ins Bein gezwickt und so. Wir brauchen immer dieses haptische Element
beim Spielen und beim Sprechen.
Wie ist das mit der neuen Musik? D. h. neu ist sie ja
auch gar nicht mehr, ist schon wieder 10 Jahre alt. Die ist ja nun umstritten.
10 Jahre? Das muss man sich mal vorstellen, Wahnsinn.
Gefällt dir die oder sagst du auch eher „Äh“?
Ich bin wirklich ein Fan der alten Musik, das muss ich sagen. Ich fand dieses
„babababa dadadada“, das war natürlich wirklich ein Knüller. Das fand ich sehr,
sehr schön und damit bringt man die drei ??? natürlich auch in Verbindung. Die
neue Musik ist eben jetzt nicht unbedingt so, dass ich sagen kann „Ja, da haben
sie jetzt wirklich was gemacht, was das noch toppt“ oder so, was natürlich auch
wirklich sehr schwierig ist. Ich weiß gar nicht, wie so die Umfragen sind; ich
denke mal, es gibt in erster Linie wirklich die Leute, die die alten Musiken
kennen und definitiv eigentlich auch sagen, dass die Musik damals besser war,
weil sie natürlich auch so ein bißchen einen Zeitgeist bedient hat, ohne das
wirklich absichtlich zu tun. Sie hat einfach wirklich eine ganz bestimmte
Atmosphäre eingefangen und diese zweite neue Musik hat auch diesen Zeitgeist
bedient, aber eben mit voller Absicht und deswegen ist sie dann wahrscheinlich
schon nicht ganz so interessant, aber ich denke mal, sie funktioniert wunderbar.
Das Gleiche gilt natürlich eben auch immer, wenn sich irgendwas verändert
innerhalb der Hörspielstruktur, weil, wie gesagt, Peter Pasetti gestorben ist
oder jetzt eben auch wirklich leider noch Matthias Fuchs, dass man auch immer
sagt „Mein Gott, der erste Erzähler war doch viel besser, wie konnte man denn
bloß“ und so weiter. Die haben die Musik ja nicht einfach nur geändert, weil
sie Lust dazu hatten, sondern weil es eben wirklich diesen riesengroßen Streit
da gab. Da muss man sich dann eben irgendwie einigen und es ist dann nicht
grundsätzlich immer alles besser, aber es ist grundsätzlich eigentlich auch
nicht immer alles schlechter - meine Meinung.
Obwohl es natürlich schade ist, dass sie sich gar nicht
einigen.
Das ist natürlich auch ganz furchtbar, aber da muss ich auch ehrlich sagen,
da bin ich mit den Einzelheiten auch gar nicht so vertraut, also ich weiß
jetzt nicht 100 %ig, wie das alles abläuft.
Ist ja auch ein groß gehütetes Geheimnis.
Ja, genau. Also, ich würde jetzt auch gerne viel mehr darüber wissen oder
vielleicht auch gerne viel mehr darüber erzählen können, ist aber leider
nicht möglich, weil ich wirklich überhaupt keine Ahnung habe, wie die
Einzelheiten da ablaufen.
Wir kommen jetzt zu Gastrollen. Ist dir aufgefallen, dass das Niveau
der Gastsprecher schlechter geworden ist, also dass die jetzt teilweise
nicht mehr so gut sind wie früher? Früher war ja fast alles auf dem
gleichen Level, alle haben sich gut angehört, und jetzt gibt’s teilweise
Leute, die einfach nur den Text ablesen, was man dann auch leider hört.
Ja, das stimmt. Teilweise ist mir das auch aufgefallen, aber eben auch wirklich
nicht so massiv. Wenn wir drei ??? zusammen sind, nehmen wir uns eigentlich
wirklich immer alleine auf bzw. wir sind dann immer zu dritt und wir haben dann
eigentlich selten die Möglichkeit, dann wirklich noch richtig zu kontrollieren,
wer ist denn da jetzt noch. Ich sag jetzt gerade „kontrollieren“ - wir können
das ja gar nicht kontrollieren, weil wir da auch gar kein Mitspracherecht haben.
Ich weiß nicht genau, woran das liegt; es gibt ja in Hamburg unendlich viele
gute, phantastische, hervorragende Schauspieler, aber es ist natürlich so,
dass viele mittlerweile da auch schon mindestens 3, 4, 5, 6, 7, 8 Mal dabei
waren und dann sucht man natürlich immer wieder nach neuen Stimmen. Das ist
natürlich heutzutage auch nicht so einfach, dann wirklich Castings zu
veranstalten und festzustellen, wie ist der. Das ist ja teilweise sehr ad hoc
diese ganze Geschichte, also: „Können Sie morgen kommen?“ Dann hat man dann
jemanden an der Strippe, der sagt, er würde eigentlich schon ganz gerne kommen,
aber die Zeit ist nicht da oder man plant das eben wirklich schon im voraus
unglaublich lange und kurzfristig wird der Termin dann abgesagt. Gerade bei
diesen hochkarätigen Stars ist das so. Es wird ja nicht so unglaublich intensiv
castingmäßig vorbereitet, wie jetzt bei irgendwelchen öffentlich-rechtlichen
Hörspielanstalten; das läuft eben alles noch so ein bisschen im Handgemachten
ab, was jetzt aber großartig auch keine Erklärung von mir ist, warum das
schlechter wird oder warum das teilweise auch schlechter geworden ist. Ich
hab das teilweise auch bemerkt, aber es liegt irgendwie jetzt auch nicht
unbedingt so in meiner Hand, dafür zu sorgen, dass das nicht stattfindet,
weil dann würde ich mich ja auch irgendwo vorwagen. Als wir angefangen haben
mit den drei ???, da muss ich ja ehrlich immer noch sagen, das hab ich damals
als kleiner Piepel auch schon gemerkt, ich dachte immer, die anderen beiden
Fragezeichen, also Jens und Oliver, die spielen das ganz toll und sprechen das
ganz toll und ich hab das eigentlich meiner Meinung nach immer ganz furchtbar
abgelesen. Also, ich fühlte mich damals dann auch so ein bisschen wie der
Trottel. Das hat sich dann im Laufe der Zeit auch geändert, aber ich hätte
mich, wenn ich damals das Sagen gehabt hätte, eigentlich relativ schnell
umbesetzt. Das ist so meine Meinung, muss ich sagen.
Du solltest ja zuerst Peter werden...
Ich sollte zuerst Peter werden, ja, genau. Als wir dann unsere Manuskripte
da ausgepackt haben und ich dann angefangen hab, die Rolle von Peter zu
übernehmen, da war ich, glaub ich, ein bisschen überfordert mit der Rolle
und dann meinte Frau Körting „Jetzt drehen wir das mal um, jetzt mach du
mal Bob, der hat nicht so viel Text“ und so hat sich das entwickelt.
Abgründe tun sich auf...
Ja, aber ist doch interessant.
Gab es schon mal eine Aufnahme, wo du erkältet
warst und dann trotzdem zum Aufnahmetermin musstest?
Ja, ach, ganz oft. Da muss man dann irgendwie mit irgendwelchen
komischen Mitteln nachhelfen, also Nasentropfen oder irgendwas.
Also, der letzte, der wirklich richtig doll erkältet war meiner
Meinung nach war...
Das war Wolfgang Condrus bestimmt.
Aber ganz genau. Der war ja sowas von erkältet, das man den gar nicht
erkannt hat.Und das war eigentlich auch ganz traurig, weil er ja eine
Super-Stimme hat. Ich mag ihn als Sprecher wahnsinnig gerne, er ist ein
toller Sprecher. Das war wirklich ganz kurzfristig, der hätte eigentlich
am liebsten gesagt „Kinder passt auf, tut mir leid, ich würd’s gerne
machen“ - der ist ja extra aus Berlin gekommen - „Ich sag ab“, aber er
ist dann eben wirklich gekommen. Hätte er jetzt abgesagt, hätte man
wirklich innerhalb von kürzester Zeit, von 24 Stunden, Ersatz finden
müssen, was eben auch wirklich auch nicht so einfach ist, aber er ist
gekommen. Das ist ja, glaub ich, diese „Doppelgänger“-Folge und ich
denke mal, dass das trotzdem ganz gut funktioniert, weil man das mit
der Stimme auch gar nicht so richtig wahrnimmt.
Ja, man hört das zwar, aber irgendwie, aber es
passt irgenwie zur Figur.
Man hört’s, aber man denkt, die Stimme ist so’n bisschen kaputt, ja.
Aber er war wirklich total, absolut super-erkältet.
Wie ist das bei Synchron, wie muss man sich
die Arbeit dort vorstellen? Du bist ja nun auch Dialogbuchautor und
Regisseur, beides?
Ganz genau.
Wie funktioniert das mit der Übersetzung?
Kriegst du vorher den Text übersetzt oder musst du das selber alles
machen?
Also, in der Regel ist es so, dass man eigentlich immer noch eine
Rohübersetzung hat. Ich spreche zwar sehr gut englisch, aber es gibt
natürlich bestimmte Sachen, auf die komm ich nun auch nicht und
deswegen wird das Ganze erst mal rohübersetzt, also, in einer ganz
rohen Übersetzungsform. Das Ganze hat jetzt natürlich nicht die
passende Länge. Ich sitze dann hier zu Hause vor meinem Monitor
mit Computer und mit Videorecorder und hab dann die Rohübersetzung
neben mir und spreche den Text dann sozusagen immer auf den
Bildschirm und diktiere den Text oft in ein kleines Dictaphon und
das wird dann vom Schreibbüro übertragen. Was ich jetzt mittlerweile
mache, weil ich dann eigentlich noch mehr Kontrolle habe: Ich tippe
das selber. Ich hab das jetzt bei „Herr der Ringe“ zum Beispiel so
gemacht.
Das ist doch bestimmt `ne Menge Arbeit, nicht?
Diese ganzen Sondernamen...
Ja, das ist `ne Menge Arbeit, aber es macht ja auch sehr viel Spaß.
Wirst du den 2. Teil auch machen?
Den 2. Teil werd ich auch machen, ja, genau.
Wie weit legen die das in Hollywood fest? Haben die
da sehr viel Mitspracherecht oder eher nicht?
Dass ich das zum Beispiel jetzt wieder mache?
Ja, genau.
Grundsätzlich ist das ja ein deutscher Verleih, der das dann hier
sozusagen entscheidet. Die einzigen Mitsprachegeschichten laufen
eigentlich über die Besetzung der Stimmen, aber bei Peter Jackson
war das so, dass wir die Stimmen vorher aufgenommen haben und dann
haben wir eben ein Casting gemacht. Bei einzelnen Stimmen, die uns
ans Herz gewachsen sind, wo wir gesagt haben „Ja, genau, das ist
jetzt eben die Stimme von Aragorn oder das ist die Stimme von Frodo“,
haben wir dann 2 oder 3 Vorschläge, wo wir uns selber nicht so
richtig im Klaren waren, nach Australien und nach Neuseeland
geschickt und dort hat Jackson dann selber entschieden, welche
Stimme das sein soll. Der war eigentlich auch sehr, sehr begeistert
von dem deutschen Cast.
Wie ist das bei bekannten Sprechern, kann das
passieren, dass die dann selber auch sagen „Ich will meine Stimme
wieder haben“ oder haben die da eher keinen Einfluss? Jetzt gab’s
neulich erst mit Volker Brandt eine Sendung, da hat er gemeint, er
kennt ja Michael Douglas und Michael Douglas wäre ganz furchtbar
stolz, dass nur Volker Brandt ihn spricht und niemand anders.
Ja, also, das weiß ich jetzt nicht so ganz genau. Ich kann da jetzt
nicht grundsätzlich entscheiden „Ich hab den jetzt zu sprechen, weil
nur ich auf den passe“. Es gibt da solche Verbindungen, gab es
eigentlich schon immer mal. Arnold Marquis, die Stimme von John
Wayne, die kannten sich auch und die haben dann gelegentlich auch
mal einen gesoffen und haben sich wunderbar verstanden und
irgendwann hat sich John Wayne angeblich in seinen Vertrag
schreiben lassen, „Wenn es dann eben zu Synchronisationen kommt,
hat dann eben wirklich immer nur Arnold Marquis mich zu sprechen“,
das gab’s. Bei mir ist das zum Beispiel so, Edward Norton weiß,
dass ich existiere in irgendeiner Form. Wie das genau entstanden
ist, weiß ich auch nicht so genau, das ging über irgendwelche Fans.
Aber da gibt es keinen direkten Kontakt oder so. Ich kann jetzt auch
nicht sagen „Ich möchte jetzt grundsätzlich immer Edward Norton
sprechen und wenn ich den nicht spreche, dann werd ich ganz böse
und ganz sauer“. Das entscheide grundsätzlich nicht ich, sondern
das entscheidet der Verleih.
Bei „American History X“; da war es schon so, dass ich eben den Termin hatte,
wo das aufgenommen werden sollte und dann hat der Verleih, das
war damals Kinowelt, gesagt „Ne, wir wollen jetzt aber nochmal
ein Casting haben und wir möchten selber entscheiden, wer den
spricht, obwohl du den vielleicht schon 2 oder 3 Mal gesprochen
hast vorher. Das ist uns eigentlich herzlich Wurst, wir wollen
trotzdem ein Casting machen“. Und der Verleih macht dann selber
für sich ein Casting und da kam es dann eben dazu, dass sie
gesagt haben „Ja, also, die Stimme ist schlecht, die ist besser
und die ist am besten“ und meine Stimme war dann eben für
Kinowelt auf jeden Fall die schlechteste und die andere war
dann eben die beste. Da scheiden sich dann eben die Geister, ob
das dann nun richtig war oder nicht, aber ich bin jetzt nicht
jemand, der sich grundsätzlich so mit seinem amerikanischen
Schauspieler identifiziert, wie das manche tun, weil ich da dann
langsam aber sicher auch verrückt werden würde. Ich bin eben ich
und ich werde dann eingesetzt, wenn meine Stimme passt und ich
bin eben auch der Meinung, dass es ganz bestimmte Besetzungen
gibt, wo ich sage „Also, ich weiß jetzt nicht, wie man darauf
kommt, mich da zu besetzen, aber bitte schön, wenn ich was mit
der Rolle anfangen kann, dann mach ich das auch“, aber es ist
eben auch ganz oft, dass ich sage „Tut mir leid, ich seh mich
da gar nicht auf der Rolle, es ist wirklich besser, ihr nehmt
da einen anderen“.
Es passiert aber schon, dass du dann die
Skripte erst liest und erst guckst, was das für eine Rolle ist
und dann entscheidest?
Ja, ich guck mir den Film, wenn ich die Möglichkeit habe,
natürlich vorher an und dann seh ich eben auch, was das für
ein Film ist und was das für eine Figur ist. Es gibt jetzt
zum Beispiel einen neuen Film mit Edward Norton, „Death to
Smoochy“ heißt der, der kommt jetzt demnächst raus, wir
synchronisieren den nächste Woche. Den hatte ich mir jetzt
angeguckt und ich finde den Film doof. Also, das ist ein
Film, mit dem kann ich überhaupt nichts anfangen und ich
mach den trotzdem, weil Edward Norton wunderbar in dem Film
ist, er spielt eine wunderbare Rolle und spielt das auch
alles sehr schön, aber der Film an sich sagt mir nun überhaupt
nichts.
Und dann sagt man „Augen zu und durch“?
Naja, es ist jetzt nicht „Augen zu und durch“, aber man kann
natürlich nicht immer sagen, man möchte grundsätzlich immer
nur „Fight Club“ machen oder solche Filme, wo man sagt
„Mein Gott, das ist einfach schauspielerisch wahnsinnig
herausragend“. Im Film „Death to Smoochy“ ist Edward Norton
klasse, es ist bloß einfach grundsätzlich der Film an sich,
die Story. Wir kriegen ja unheimlich viele amerikanische
Filme, mit denen man sich irgendwie auseinandersetzen muss
mit den Inhalten und wir stellen dann plötzlich fest „Ja,
was hat uns der Film zu sagen? Ich kann damit überhaupt
nichts anfangen“. Und das ist bei manchen Filmen
grundsätzlich der Fall. Ich bin eben auch eher ein Freund
des englischen Films, des britischen Kinos oder des
französischen Kinos oder des russischen Kinos. Wann hab
ich das letzte Mal einen russichen Film synchronisiert?
Vor 15 Jahren.
Würdest du denn mal einen Chat mit
Drei-Fragenzeichen-Fans oder Fans allgemein machen im Internet?
Ich glaube, da bin ich viel zu langsam für. Ich tippe zwar
recht zügig, wenn ich hier meine Sachen mache, aber beim
Chat merk ich immer, da tun mir innerhalb kürzester Zeit die
Finger weh. Aber theoretisch würde ich das schon machen, wenn
jemand für mich tippt.
Ja, das könnte man natürlich auch arrangieren.
Ja, das würde ich schon gerne machen, klar.
Jetzt kommt eine hypothetische Frage eines Fans, und z
war: Angenommen, Heikedine Körting würde eines Tages in Rente gehen und
Europa würde dir den Job des Regisseurs anbieten, würdest du annehmen?
Ich glaube nicht. Das würde ich, glaub ich, nicht machen.
Oliver würde nicht auf dich hören oder warum?
Ne, das wär, glaub ich, eine ganz doofe Konstellation. Wenn wir uns selber
aufnehmen, ist das ja so, wir nehmen uns auf und Frau Körting sitzt da mehr
oder weniger dann dabei und sorgt eben dafür, dass die Stimmung richtig ist
und André Minninger ist ja dann auch immer dabei, damit wir dann immer schön
wissen, um was es geht. Mir machen einfach diese Aufnahmen immer noch wirklich
so viel Spaß, das ist ja wirklich immer so family-like, das ist ja wirklich
wie `ne Familie. Wir kommen zusammen und wir haben dann diese paar Male im
Jahr eigentlich immer irgendwie so `ne Art Klassenfahrt.
Und wenn ich jetzt
da sitzen würde und würde Regie führen, Regie führen heißt ja nicht „Ja,
wunderbar, ich hab mich gerade köstlich amüsiert, weiter so“, sondern man
muss ja auch dafür sorgen, dass man die richtigen Sprecher hat, man muss wissen,
wie man das mit dem Schnitt im Nachhinein veranstaltet, man ist ja auch in
der Vorbereitung aktiv beteiligt und dann eben auch in der Nachbereitung, in
der Post Production und so. Das würde mich zu sehr in Anspruch nehmen und ich
hätte dann eben immer noch als Sprecher da zu tun. Das ist wie beim Synchron,
wenn ich einen Film habe, wo eine Rolle auftaucht, die ich eigentlich sprechen
soll oder sollte oder müsste, dann sag ich grundsätzlich immer „Ne, da kann
ich wirklich nur eines, entweder sprech ich den oder ich mach da Regie“. Ich
brauche wirklich Regie und wenn ich selber vorm Mikrofon stehe und keine Regie
habe, dann bin ich auch nie so, dass ich mich wohlfühle und dann auch vom
Resultat nicht so richtig begeistert.
Verfolgst du im Internet die Diskussionen über Hörspiele
oder Sprecher?
Also, ich hab da jetzt so ein paar Mal reingeguckt, weil ich auch angesprochen
wurde und Leute meinen „Ja, guck doch mal“ oder „Da oder da wird das
besprochen“. Das Erste, was ich entdeckt hatte damals war diese rockybeach.com.
Das hat mich sehr interessiert, das fand ich auch ziemlich spannend, fand ich
unglaublich, was die Leute sich da für Mühe geben, diese ganzen Foren da
aufzulassen und Chats zu organisieren und so weiter, das fand ich super.
Manchmal guck ich da rein und bin dann so ganz still. Irgendwann mal, bin
ich in so `nen Chat rein...
Und keiner hat`s dir geglaubt..
Keiner hat`s mir geglaubt, genau. Ich dachte „Naja, klar, ich sag jetzt
einfach ich bin’s“ und dann „Ja, ja, quatsch mal weiter“ und das war dann
relativ kompliziert. Also, da war ich so’n bisschen irritiert, obwohl ich
dann dache „Naja, klar, da kann ja jeder kommen und sagen ich bin jetzt der
und der“. Letztendlich ist es auch ganz logisch, dass das so ist.
Als die drei ??? in den 90er Jahren nicht ganz so gut
liefen, hattet ihr da mal den Augenblick, zu sagen „Wir hören jetzt auf“
oder hat man geglaubt, jetzt geht’s nicht mehr weiter? Es gab ja ein Jahr
Pause durch die Lizenzverhandlungen.
Da gab’s dann schon mal so Momente, wo wir gedacht haben „Naja, also, so
richtig doll läuft’s jetzt auch nicht mehr“ und dann waren die Geschichten
eben auch wirklich so, dass man gesagt hat „Ja, muss das jetzt sein,
müssen die drei ??? jetzt in Deutschland da irgendwo im Schwarzwald da
irgendwelche Fälle lösen?“ Es wurde dann ein bisschen so TKKG-mäßig und
da war dann eben auch schon so die Frage „Naja, bringt das jetzt
eigentlich noch was?“ Da hatten wir dann nicht unbedingt vor, aufzuhören,
aber wir sind davon ausgegangen, dass es nicht mehr so lange dauert.
Und jetzt hat es sich ja wieder zum Gegenteil entwickelt.
Das ist ja eigentlich das Tolle, also, das find ich auch irre. Das freut mich
persönlich auch, das freut uns drei sehr, dass da jetzt wieder so ein Feedback
kommt. Es gibt eben wieder neue Inputs und wieder neue Leute, neue Autoren,
die plötzlich schreiben. Es gibt ja jetzt auch noch mal diesen neuen Autor
und das find ich eigentlich gut, da kommt immer frischer Wind rein. Das macht
das Ganze bunt und zieht das dann auch wieder in so eine neue Zeit hinein,
das find ich eigentlich ganz gut. Was da jetzt letztendlich wirklich bei
rauskommt, wird man denn sehen oder letztendlich gibt’s ja da auch jetzt
schon unterschiedliche Meinungen zu den neuen Folgen. Manche sind dann eben
wieder so’n bisschen wie in der alten Zeit, die alten Folgen, die
Originalfolgen, die so ein bisschen daran anknüpfen, und dann gibt’s dann
eben auch die Folgen, die auch so ein bisschen an Filme angelehnt sind.
Ich finde, da hat eigentlich alles seine Berechtigung und ich finde es
gut, wenn es eine bunte Mischung ist.
Ja, das glaub ich. Ich finde es auch gut, dass es mehrere Autoren gibt.
Ja, genau, dass es nicht nur so eine Monokultur ist, genau.
Ist es wahr, dass ihr, also Oliver und du, Jens am
Anfang nicht leiden konntet?
Das ist ein infames Gerücht! Das ist nicht unbedingt wahr, nein, das stimmt
überhaupt nicht. Es war einfach so, dass Jens 2 Jahre älter war als wir und
wir kamen aus Berlin und wir waren die frechen Berliner, obwohl wir ja noch
so richtig grün hinter den Ohren waren. Ich denke mal, es war einfach so,
dass wir uns irgendwie behaupten mussten. Dann sind wir eben in dieser
Berliner Art erst mal so volle Pulle in die Front gesprungen und haben Jens
da nicht so richtig zu Wort kommen lassen oder so. Wir waren, glaub ich,
eher unsicher und naiv und Jens war eben 2 Jahre älter und das ist natürlich
in der Zeit schon relativ viel, und er war dann einfach immer so ein
bisschen reservierter und wir haben ihn dann so ein bisschen gepiesakt.
Ich liebe Jens jetzt und hab ihn früher genauso geliebt wie jetzt. Jens
ist auch nicht jemand, den man nicht leiden kann, selbst wenn man ihn zum
allerersten Mal sieht.
Was ist für dich persönlich interessanter als
Arbeit: sprechen oder Regie führen?
Das ist sehr schwer, das kann man nicht so richtig sagen. Das Sprechen
ist was ganz anderes, wie ich vorhin schon gesagt hab. Man ist natürlich
in erster Linie nur auf’s Sprechen konzentriert und muss sich jetzt keine
Gedanken darüber machen „Ploppt es jetzt, sprotzt es jetzt, hab ich jetzt
irgendwas zu undeutlich ausgesprochen“, sondern man konzentriert sich total
auf das Spiel und dann sagt der Regisseur „Ja, wunderbar“ oder „Ne, ist
nicht so gut, der Tonmeister hat gerade gemeckert, du hast das eine Wort
verschluckt“. Das muss man natürlich als Regisseur machen, dann muss man
eben zwischen Tonmeister und sich selbst dann immer irgendwie versuchen,
so’n Level zu kriegen, das man sagt „Ja, gut, ich find das jetzt aber
toll, dass der so undeutlich spricht“. Ich persönlich liebe undeutliches
Sprechen. Das ist einfach was ganz anderes. Es ist auf jeden Fall nicht
so anstrengend, Regie führen ist oft viel, viel anstrengender.
Ja, man muss ja auch jede Kleinigkeit beachten,
vor allem beim Synchron.
Ja, man trägt ja auch die ganze Verantwortung. Wenn ich da hinkomme,
ich krieg dann meinen Termin als Sprecher, ich soll um 9 Uhr da sein,
dann bin ich um 9 da und wenn ich sage „So Kinder, um 16 Uhr muss ich
wieder gehen“, dann bin ich um 16 Uhr weg, weil ich `nen Anschluß habe.
Als Regisseur muss man grundsätzlich immer darauf eingehen, auf solche
Wünsche. Dann muss der um 16 Uhr weg und dann muss man eben was anderes
machen. Man legt das ja auch an als Regisseur, man macht die Besetzung,
man sorgt dafür, dass diese ganzen Zutaten, sprich die unterschiedlichen
Sprecher, dann eben wirklich das ergeben, was man sich erträumt hat
oder man hat eine Vorstellung und sagt „Der Sprecher passt jetzt genau
auf die Rolle“ und dann kommt der an und man merkt „Oh Gott, das ist ja
furchtbar, das klappt ja gar nicht, ich hab mir da irgendwie was ganz
anderes vorgestellt. Der Sprecher ist zwar gut, aber der ist viel zu
jung oder der ist viel zu alt“ und das sind alles so Sachen... Die
Verantwortung trägt man dann als Regisseur und da muss man dann
letztendlich dann auch mit dem Resultat auch irgendwie in der Mischung
seinen Kopf hinhalten.
Gab es so eine Situation schon für dich, dass du
mal was falsch gemacht hast, wo es dann was hinter die Ohren gab von der
Firma, von dem Redakteur oder ähnliches?
Ne, bis jetzt hab ich da immer Glück gehabt, glaub ich. Ne, also bis
jetzt eigentlich noch nicht. Aber es gibt natürlich immer wieder Leute,
die sich dann im Nachhinein aufregen „Wie konnte man denn nur?“. Zum
Beispiel bei „Herr der Ringe“, da gibt’s ja diese riesengroßen „Herr
der Ringe“-Foren, wo dann wirklich die Synchronisation auseinander
genommen wird und analysiert wird und dann wird eben auch gesagt
„Mein Gott, warum hat er denn bloß diesen Quatsch da gesagt?“ oder
„Wer hat dann das letztendlich übersetzt?“. Das passiert einem
natürlich dann, aber das ist dann natürlich immer der Fan, der dann
den fertigen Film sich anguckt und sagt „Die Stimme passt überhaupt
nicht, im Original ist alles viel besser“ und da hat er natürlich
auch nicht ganz unrecht. Ich bin ja auch, wenn ich jetzt ganz ehrlich
bin, kein großer Freund von Synchronisationen. Für mich ist es so,
dass wenn ich mir einen Film im Original angucken kann, guck ich mir
den natürlich im Original an. Das liegt aber in erster Linie daran,
dass ich alle Stimmen kenne. Ich kenne die Stimmen in München, ich
kenne die Stimmen in Hamburg, ich kenne die Stimmen in Berlin. Wenn
ich einen Film höre, dann höre ich grundsätzlich eben immer Karl-Heinz
Müller aus Hamburg synchronisieren oder den oder den und das irritiert
mich natürlich dann total und ich kann mich auf den Film nicht richtig
konzentrieren.
Das ist ja klar, weil man ja auch die Gesichter dazu kennt.
Ja, richtig, genau, und dann sag ich „Ach, mein Gott, das hat er ja toll
gemacht“ oder „Da ist der ja so, den erkenn ich gar nicht“ oder dann bin
ich ganz erstaunt „Wer ist denn das, der ist ja total toll, den kenn ich
ja überhaupt nicht“, bloß dann achte ich eben immer auf die Synchronisation
und achte nicht auf den Film und Film ist ja dann wirklich doch schon
irgendwas, auf das man sich 100 %ig einlassen muss.
Du bist ja auch Schauspieler. Würdest du auch in
einem Film oder Theaterstück mitspielen, wenn du ein interessantes Angebot
bekommen würdest?
Naja, das hab ich ja alles schon gemacht und bin eben zu der Überzeugung
gekommen, dass ich mich doch einfach viel, viel wohler fühle im Hintergrund.
Früher hab ich relativ viel gedreht und dann hab ich auch gemerkt, dass
dieses Drehen, diese Arbeitsweise mir jetzt nicht so unbedingt zusagt, so
unglaublich lange warten und dann irgendwelche dussligen Texte aufsagen
und immer meine Markierung und so weiter. Ich bin da irgendwie relativ
schnell von abgekommen und hab mich eigentlich mehr auf die Stimme
verlagert. Das liegt aber auch daran, dass ich selber auch sehr viele
Hörspiele schon immer gehört hab und mich sehr viel mit Stimmen beschäftigt
habe und auch jetzt auch immer noch sehr viele Hörspiele höre. Ich bin
jemand, der sich damit ziemlich beschäftigt, weil mir das sehr viel Spaß
macht. Ich mach das zum Beispiel so, dass ich mir Filme auch oft anhöre,
weil ich mir viele Filme, also viele Videos, auf Audiocassette überspiele
und dann im Auto die Filme höre. Also, ohne Bilder, sondern einfach
wirklich nur den Sound, den Text mit Musik und so weiter.
Das hab ich früher auch immer gemacht.
Ja, das ist `ne richtige Krankheit, das ist ganz furchtbar. Meine Freundin
meckert dann auch immer, weil ich im Auto nicht irgendwie das Radio
anschalte, sondern eben irgendwelche komischen Filme anhöre.
Ich bin kein Einzelfall, das beruhigt mich.
Nein, nein, ich weiß auch, dass es da noch andere Verrückte gibt, die sowas
machen.
Ihr seid ja jetzt öfter mal per Bild im Fernsehen zu
sehen oder im Internet. Wirst du jetzt öfter erkannt als früher oder
erkennt man dich überhaupt auf der Straße?
Ach, also jetzt nicht unbedingt, wenn man mich sieht, denk ich mal. Das
kann ich jetzt nicht so beurteilen. Letztens ist mir das beim Chinesen
passiert, da hat mich dann irgendein Japaner angesprochen, ob ich nicht
John Cusack bin. Ich sagte „Ne ne, das bin ich nicht“, aber irgendwie,
das war ganz absurd, weil der hatte sich irgendwie die Filme auf deutsch
irgendwie besorgt, ich weiß nicht, das war `ne ganz absurde und abstruse
Geschichte. Jedenfalls hat er mich über die Stimme erkannt und meinte
irgendwie, ich sei das und der war völlig irritiert, aber ich war auch
irritiert. Ja, also, man wird öfter angesprochen als früher, das ist
schon richtig, aber das hat nicht soviel mit den drei ??? zu tun, das
hat irgendwie mit anderen Rollen zu tun.
Gibt es irgendein Traum- oder Wunschprojekt für
dich, ein besonderer Film, den du schon immer mal synchronisieren
wolltest oder eine besondere Sprechrolle? Was würdest du gerne tun
als absoluter Traumwunsch in deinem Beruf?
Mein absoluter Traumwunsch in meinem Beruf... Das ist natürlich
schwer zu sagen. Von Filmen kann ich das natürlich schwer sagen,
weil, wie gesagt, wenn ich das jetzt synchronisiere, dann gibt’s
jetzt im Augenblick die Filme noch nicht oder welche Filme verfilmt
werden könnten, das kann ich jetzt auch schlecht sagen. Aber auf
dem Hörbuchsektor denke ich mal, würde ich ganz gerne „Der Fänger
im Roggen“ machen. Das würde ich gerne als Hörbuch machen. Ich
weiß auch, dass es das eigentlich noch nicht gibt und das wundert
mich sehr. Das ist so eine Geschichte, die würde mir sehr viel
Spaß machen als Hörbuch.
Warum?
Weil ich das Buch einfach liebe, ich finde das wunderbar, ich
finde das ganz große klasse.
Erhöht der momentane Rummel um euch
Drei-Fragezeichen-Sprecher eure Chancen bei Frauen?
Das ist ja wirklich eine sehr gute Frage. Ich wüsste nicht, wie das
zustande kommen sollte, das kann ich mir jetzt nicht vorstellen.
Also, ich hab davon jetzt noch nichts gespürt, muss ich ehrlich
sagen.
Kannte deine Freundin dich als Stimme vorher?
Ja, die kannte mich als Stimme vorher, ja, das war sehr lustig. Die
kannte mich vorher, das war sehr absurd.
Jetzt bin ich natürlich gemein, genauso gemein
wie bei Oliver und bei Manfred Lehmann hab ich’s auch gemacht: Du
hast ein letztes Wort an die Hörer und Leser meiner Seite.
Das ist wirklich ziemlich ekelhaft, das ist wirklich ganz furchtbar.
Dazu kann ich gar nicht viel sagen, aber mir sind alle Leute
sympathisch, die sich mit Hörspielen beschäftigen und daher kann
ich euch auch nur sagen, ich mag Hörspiele, ihr mögt Hörspiele und
was Besseres gibt’s eigentlich gar nicht.
Links zum Thema
Voice4u.de - Die Stimmen der Hollywoodstars als Homepageauffrischer
Rocky-Beach.com - Die ???-Fan Community
Herzlichen Dank gilt hier Mrs. Andrews, Justus, Molochos, Goldeneye für das Stellen von Fragen für das Interview, Mrs. Andrews für die
fleißige Tipparbeit und Sven Stricker
für die Kontakthilfe!!
Das Interview
ist Eigentum der www.hoernews.de
und darf ohne Genehmigung
nicht - auch nicht in
teilen - wiedergegeben werden.
© 2002 by HörNews.de - D. Kurtz
|