1. Wie alt bist Du und wie lange
bist Du schon Hörspielfan?
[Frank
Gustavus] Ich bin
31 und seit 26 Jahren HSP-Fan.
2. Hattest Du, wie viele
Hörspielfans auch, zwischendrin
eine Pause? Welches ist Dein Lieblingshörspiel, sofern
es
eines gibt?
[Frank Gustavus] Ich hatte nie wirklich eine
Hörspiel-Pause.
Lieblings-HSP?
Hmm: Dracula und Moby Dick, Karl-May-Serie
(alle Europa),
Säulen der Erde, Der Alchimist.
3. Im Inlay steht, neben anderen Danksagungen, auch ein
Dankeschön an Gott - bist Du ein gläubiger Mensch?
[Frank Gustavus] Klar glaube ich, dass es da oben
was gibt,
was uns hilft und uns den rechten Weg weist - ich nenne es
Gott, andere
Buddha, Manitou oder Allah. Ich geh aber nicht
in die Kirche.
4. Hast
Du neben Hörspielen auch andere Hobbys?
[Frank
Gustavus] Ich bin
Trommler (im Moment aber inaktiv,
wegen eines kaputten Fingers), höre sehr viel Musik, lese
und sehe mir Filme an.
5. Wenn
Dir alle Möglichkeiten offen stehen würden - welchen
Stoff/welche Vorlage würdest Du Dir gerne für eine Hörspiel-
umsetzung vornehmen?
[Frank
Gustavus] Ich
hatte mal an Psycho gedacht, aber Heyne
rückt keine Rechte raus. Ich hätte auch Spaß an einem großen
Historien-Epos. Wenn ich könnte, würde ich alle Verlage dazu
bringen, die
Stoffe, die sie selbst nicht als Hörbuch/-spiel raus-
bringen wollen, für andere Labels freizugeben. So wird aber alles
gehortet. Auch Cape Fear wäre da ein Kandidat ;)!
6. Hast
Du schon vorher im Hörspiel- oder einem ähnlichen
Bereich gearbeitet (wie z.B. Radio) und wenn ja, an welchen
Produktionen warst Du beteiligt?
[Frank
Gustavus] Ich habe
6 Jahre lang als Reporter, Redakteur,
Moderator und Nachrichtenmann beim Hörfunk gearbeitet. Für
einen Sender habe ich auch Comedy geschrieben und zum Teil
inszeniert. Von daher war
mir die Arbeit mit Stimmen, Atmo,
Geräuschen und Musik nicht fremd.
Beim NDR habe ich mal eine
Hospitanz im Hörspiel gemacht, beim Altmeister Heinz von
Cramer
und ich habe als Sprecher in einigen Hörbüchern und Hörspielen
(für
Kinder) mitgewirkt - in welchen kann man bei CHRIzzz lesen.
7. Warum hast Du Dir ausgerechnet "Jack The
Ripper" als
Ripper-Records-Debüt ausgesucht? Was reizte Dich an der
Figur?
[Frank
Gustavus] Als ich
auf die Ripper-Idee kam, war natürlich
auch der Label-Name geboren. Die Figur als solche hat mich
schon als 12-jähriger interessiert, mit der Zeit habe ich mir dann
so ziemlich alles an
Filmen, Dokus, Büchern etc.
reingezogen.
Die Faszination kam wahrscheinlich daher,
dass niemand
wusste, wer der Kerl war. Dazu noch das Ambiente: dunkle
Gassen,
verrufene Spelunken u.ä. - Wahnsinn. Die Figur und
die Geschichte des James
Maybrick warfen mich dann völlig
um: Dies war der richtige Stoff für eine
gute Geschichte, denn
einen reinen Gruselstoff um einen Dunkelmann, den keiner
kennt,
wollte ich nicht machen.
8. War
es schwer an so große Namen (Sprecher) zu kommen?
[Frank
Gustavus] Nein,
ich habe mir überlegt, wen ich dabeihaben
möchte, habe mir die Nummern dieser Menschen besorgt und sie
einfach
angerufen, ihnen von dem Projekt und der Rolle, die sie
spielen sollten,
erzählt - alle waren interessiert und ich habe ihnen
die Bücher geschickt, kurz darauf
haben alle zugesagt. Für die
Rollen, die noch unbesetzt waren, bekam ich Vorschläge:
Werner
Cartano schlug Aranka Mamero-Jaenke als Hure vor, ich rief
sie
an und sie war dabei. Für den Littlechild wollte ich gerne Joachim
Wolff haben, als er
wegen Krankheit ausschied, empfahl mir Cartano
Jens Scheiblich, den wiederum rief
ich in Südfrankreich im Urlaub an,
und als er wieder da war, las er das Skript -
und war ebenfalls dabei.
Wolfgang Kaven sollte zunächst den Dr. Hopper geben, für
die Rolle
des Gerichtsmediziners rief ich die Agentin von Uwe Friedrichsen
an: Ich
erzählte ihr vom Stoff und sie sagte Und Herr Friedrichsen
soll den Ripper
spielen, nicht wahr? Ich sagte Nein, DEN soll
Dietmar Mues machen, Herr F. soll
einen Gerichtsmediziner
mimen - damit war das Thema gegessen, denn sie
meinte Uwe
würde nur den Ripper spielen wollen. Ich bat mir Bedenkzeit aus,
am
nächsten Tag sagte Dietmar zu und ich Herrn Friedrichsen ab.
Ich wusste irgendwie,
dass Mues der richtige Mann für diese Rolle
war!
9. Musstest
Du ein wenig "nachhelfen" oder hat Dietmar
Mues die Rolle Maybricks von Anfang an so intensiv angelegt?
[Frank
Gustavus] Da
musste ich überhaupt nichts machen: Dietmar
kam, ging ins Studio und brauchte für jede seiner Szenen maximal
2
Takes. Er war so unglaublich gut, dass es uns einen Schauer
nach dem anderen
über die Rücken jagte. Er war tatsächlich
sowohl das
Drogenwrack, als auch der wahnsinnige Mörder. Ich
liebe ihn!
10. Wie
lange dauerten die Aufnahmen und mit welcher
Technik kamen sie zustande?
[Frank
Gustavus] Die
Aufnahmen haben zweieinhalb (!) Tage
gedauert, denn wie Dietmar Mues richtig sagte: Es ging wie
im Rausch! Die
Sprache wurde direkt in den Rechner aufge-
nommen (Logic-System).
11. Mußtet ihr bei den Aufnahmen auf eine bestimmte Hard-
oder Software zurückgreifen, um den Effekt zu erreichen,
daß das Hörspiel einerseits wie auf der Höhe der Zeit wirkt,
aber
andererseits trotzdem zu der Epoche paßt, in der die
Geschichte spielt?
[Frank
Gustavus] Im
Beating Heart-Studio hat der Tonmann
Manfred Knauff mit „pro-Tools“ gearbeitet, einem System,
das
unendlich viele Spuren und Möglichkeiten in sich birgt,
dadurch
wirkt das Stück, glaube ich, „up-to-date“. Das Bild der
Epoche
kommt so gut rüber, weil die Geräusche stimmten. Allein
die
Kutschen lassen einen schon ins alte England eintauchen, die
Bilder vom heruntergekommenen Whitechapel entstehen durch
die beschreibenden Monologe im Kopf des Hörers.
12. Was
war nervenaufreibender? Die Pre-Production, die
Aufnahmen oder die Post-Production?
[Frank Gustavus]
Anstrengend
war alles, aber alles hat auch
tierischen Spass gemacht.
13. Du
hast auf das Tagebuch von James Maybrick zurück-
gegriffen, welches ja beim Lübbe Verlag vorliegt. Hattest
Du keine Bedenken, daß es von der Verlagsseite aus
Einwände geben
könnte?
[Frank
Gustavus] Ich habe
mein Skript und das Maybrick-Buch
von einem Anwalt prüfen und vergleichen lassen. Bis auf den
Arsen-Mord, den Florie angeblich an ihrem Mann begangen
haben soll (ich glaube ja, man hat
ihn ihr in die Schuhe ge-
schoben), musste ich nicht viel ändern - so kam die
Zyankali-Geschichte zustande.Ich habe mich ja auch nur an
Motiven aus dem
Tagebuch und aus Maybricks Leben orientiert,
ansonsten Fakten verwertet und
so, wie mir der Advokat ver-
sicherte, eine eigenständige Neubearbeitung der
Geschichte
geschaffen.
14. Wie
früh fiel die Entscheidung, das Hörspiel nur auf CD
zu veröffentlichen? Immerhin liegt der Marktanteil der CD
bei Hörspielserien weit hinter dem der MC. Ist mittelfristig
mit einem
MC-Release zu rechnen?
[Frank Gustavus]
Dass es das Stück nur als CD geben würde,
war vom
ersten Gedanken an klar. Ich bin kein großer Freund der
MC,
noch nie gewesen, außerdem wäre die Idee mit dem
Digipak mit einer MC nicht
umzusetzen gewesen. Ob Jack the
Ripper mittelfristig auch als MC erscheinen wird, wird, denke ich,
die Nachfrage zeigen. Wenn jetzt 2000 Leute sagen
würden: Wir
kaufen das Ding nur auf MC, dann würde ich mich, aus finanz-
politischen Aspekten und als kleines Label, wohl kaum dagegen
sperren können.
15. Wird
Ripper Records in absehbarer Zeit auch mit einem
renomierten Vertrieb zusammenarbeiten, so wie Meteor
jetzt
mit Edel?
[Frank
Gustavus] In
diesen Tagen laufen tatsächlich Gespräche
mit einem
Vertrieb - aber über ungelegte Eier sollte man nicht
sprechen -
bringt Unglück!
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