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Oliver Rohrbeck, ist bestens bekannt, als 1. Detektiv Justus Jonas aus "Die drei ???". Wir haben die Herausgabe der 100. Hörspielfolge zum Anlaß genommen, um
mit ihm ein Telefoninterview zu führen. Wie immer ist die volle Länge nur als Audiofile erhältlich!
Textabschrift: Rocky-Beach.com / Tonaufnahme: HörNews.de
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Wie bist du zu den drei ??? gekommen?
[O. Rohrbeck] Das war eine ganz einfache Geschichte. Damals habe ich
schon für die gleichen Plattenleute die Fünf Freunde gesprochen, weil ich Julien bei "Fünf Freunde" auch im
Fernsehen meine Stimme geliehen hab. Sie haben mich gefragt, ob ich auch die Platten sprechen
möchte. Später sind sie auf mich zugekommen und fragten ob ich bei einer neuen Serie mitsprechen möchte möchte.
Das wollte ich natürlich. Ich habe aber nie geahnt, was dann daraus mal wird.
War die 100. Folge der drei ??? etwas ganz besonderes für euch?
Habt ihr eine kleine Party gemacht, euch zusammengesetzt?
[O. Rohrbeck] Zur Produktion der 100. Folge waren wir, wie gewohnt, in
Hamburg und haben uns noch einmal einen Nachmittag zusammen-
gesetzt. Wir treffen uns jedes Mal da und freuen uns und gehen auch oft
zusammen essen, aber richtig groß haben wir es nicht gefeiert.
War das Label also ein bisschen knauserig mit euch?
[O. Rohrbeck]Nö, da kommt ja noch eine große Party, die sie dann im
Oktober veranstalten werden und zu diesem Anlaß – zu der richtigen
Feier – holen sie uns dann natürlich und das wird dann ein bisschen
größer gefeiert.
Ist dir denn aufgefallen, dass du jetzt mehr Text hast als
früher? Jetzt sind es ca. 60 min. pro Hörspiel, damals waren
es nur ungefähr 45.
[O. Rohrbeck] Das ist mir eigentlich nicht so aufgefallen oder irgendwie
merkt man es nicht, dass die Hörspiele jetzt länger sind. Aber ich
denke immer, dass ich jetzt ein bisschen weniger Text habe, dafür
Bob und Peter jetzt mehr zum Zug kommen und nun ein bisschen
mehr kombinieren können. So muss ich nicht alles alleine machen (lacht).
War der Beruf des Schauspielers bzw. Synchronsprechers dein
Traumberuf oder bist du nur durch Zufall da hineingeraten?
[O. Rohrbeck] Als kleines Kind bin durch Zufall dahingekommen und
später - während der Kindheit schon - ist es dann zu meinem
Traumberuf geworden. Ich wusste sehr früh schon, dass ich das
machen möchte und hab dann auch gar nicht erst das Abitur
gemacht. Ich bin bereits in der 11. Klasse während der Oberstufe
von der Schule abgegangen und habe gewusst, dass ich Schauspieler
werden will. Dafür braucht man kein Abitur und bin dann gleich auf
die Schauspielschule gegangen.
Das Synchronisieren bereitet dir also ganz viel Spaß?
[O. Rohrbeck] Das ist genau das richtige für mich. Ich habe auch lange
Theater gespielt und hin und wieder in ein paar Filmchen mitgemacht.
Hinter der Kamera – synchron – das ist für mich das Allerschönste.
Das ist für mich noch besser als vor der Kamera oder im Theater
als Schauspieler zu stehen.
Gibt es bei den Hörspielaufnahmen auch Running-Gags?
Wir haben jetzt bei der neuesten Folge „Tal des Schreckens“
eine Szene mit Bob gehabt, die eher untypisch war. Er hat
nämlich einen Witz gerissen hat: Statt Recherchen hat er
Rächerchen gesprochen...
[O. Rohrbeck] (lacht) Das ist ja ein jahrelanger Running-Gag.
Andreas hat vor vielen Jahren - noch als kleiner Junge - bei den
Aufnahmen einmal Rächerchen statt Recherchen gelesen. Als er
es jetzt mal wieder sagen musste, hat er es wohl aus Spaß gesagt.
Aber das ist im Prinzip ein ganz alter Running-Gag. Bei den
Aufnahmen sagen wir das immer einmal wieder, aber ich dachte,
so etwas würde man herausschneiden. (lacht)
Hast du vielleicht von den drei ??? PC-Spielen gehört,
die vor ungefähr einem Jahr herausgekommen sind?
Dort wurden andere Sprecher eingesetzt. Sind die
Produzenten auf euch zugekommen und haben angefragt,
ob ihr auch die CD-ROMs sprechen wollt oder hast du
davon gar nichts mitbekommen?
[O. Rohrbeck] Wir haben von der Produktion schon mitbe-
kommen, wurden allerdings selber nie angesprochen. Die
Rechte liegen nun nicht bei der selben Plattenfirma, man
konnte also nicht sagen: „Die drei müssen das aber machen.“
Die Rechte wurden vom Franckh-Verlag an die Spielefirma
herausgegeben und diese haben uns nicht gefragt.
Diese ist dann später auf uns zugekommen - die Produktion war
bereits abgeschlossen - und haben uns dann gefragt, ob wir das
denn auch machen würden, wie denn unsere Bedingungen seien.
Diese haben wir aber nie genannt, da es zu keinen konkreten
Gesprächen kam. Wir wurden also eigentlich vorher so ein bisschen
ausgeklammert, weil sie wahrscheinlich dachten, wir wären zu teuer.
Vielleicht dachten sich auch, sie würden jetzt jüngere neue drei ???
etablieren können, so dass sich die Spielen dann noch weiterhin
über Jahre halten, und wir irgendwann einmal zu alt sind. Also wir
wurden nicht gefragt und wir fanden das auch ein bisschen traurig,
muß ich sagen.
Es wäre also kein Problem für euch gewesen, die
CD-ROMs ebenfalls zu sprechen?
[O. Rohrbeck] Gar nicht! Die haben uns angesprochen und dann
gesagt, wenn sie uns gefragt hätten, wäre es zu spät gewesen oder
sonst etwas. Das ist aber Quatsch!
Die Sprecher, die eingesetzt werden, sind von der Stimme
her nicht viel jünger, so dass man sagen könnte, das sind nun
Nachwuchssprecher
[O. Rohrbeck] Ich weiß nicht, wen sie da genommen haben. Auf
jeden Fall anscheinend Leute, die das wahrscheinlich für weniger
gemacht haben. Jedenfalls wurden wir dann später noch einmal
angesprochen, weil sie vielleicht die Aufnahmen gehört haben und
gemerkt haben, dass ist alles nicht ganz so tauglich - aber im Grunde
keine Ahnung. Wir wurden erst wesentlich später kontaktiert und
mit Absicht vorneweg gelassen.
Verspürst du jetzt, wo das Jubiläum ansteht, ein stärkeres
Medieninteresse? Mehr Interviews...
[O. Rohrbeck] Total! Es gibt sehr viel Interview-Anfragen zur Zeit.
Heute hat mich der Stern angerufen, die wollen etwas bringen. Ich bin
jetzt andauernd im Radio. Gestern habe ich hier in Berlin noch Cäsar
von Kiss FM getroffen, der hat einen Saltoschlag gemacht, weil er
endlich mal Justus Jonas zu sich holen kann (lacht). Ich werde also
in nächster Zeit zu Kiss gehen. Andauernd passiert jetzt irgendwas.
Wie bereitest du dich auf die Aufnahme vor? Du bekommst
wahrscheinlich vorher von André Minninger ein Skript zu-
geschickt. Da steht nun relativ viel Text drin aber halt keine
bewegten Bilder?
[O. Rohrbeck] Ich lese vorher das ganze Buch durch und dabei läuft
schon so ein kleiner Film im Kopf ab. Und das ist das schöne an
Hörspielen und Büchern im Gegensatz zu Fernsehen und Kino, dass
man eben selber den Film vervollständigt, der im Kopf anfängt und
dass man das nicht alles schon auf der Leinwand vorgesetzt be-
kommt. Ich stelle mir dann vor, wie es bildlich sein müsste und
versuche das dann so auszuspielen.
Da stehen dann am Rand natürlich solche Hinweise: „Er rennt.“ oder
„Schritte“ oder „Treppengeräusche“. Da machen wir dann natürlich
ordentlich Atmer und Schnaufer - besonders ich, ich wieg ja besonders
viel - (lacht). Insofern passiert das dann immer so wie man es sich im
Kopf vorstellt.
Es ist eine ganze Menge Improvisation dabei. Während der
Aufnahmen machst du dann doch mal was anders, als du es dir
vorher überlegt hast?
[O. Rohrbeck] Ja, nach klar. Du musst darauf reagieren wie die
anderen mit dir zusammenspielen. Die stellen sich das vielleicht ein
wenig anders vor. Wir geben uns Zeichen darüber, dass man z. B.
länger Laufgeräusche macht oder so etwas. Da passiert dann
natürlich auch zwischen den Zeilen eine ganze Menge im Studio.
Ist es denn schwieriger, ein Hörspiel zu sprechen oder einen
Film zu synchronisieren? Beim Film siehst du die laufenden Bilder
und kannst es dir vielleicht besser vorstellen.
[O. Rohrbeck] Na ja, der Ablauf der Arbeit ist ganz unterschiedlich.
Einen Film zu synchronisieren ist auch schwer, weil man sofort den
passenden Gesichtsausdruck und die Stimmung nachspielen muss,
damit es zum Film passt.
Beim Hörspiel ist die Schwierigkeit, dass man sich selber etwas vor-
stellen muß. Ich stelle das als Regisseur von Synchronfilmen immer
wieder fest, wenn ich mir Schauspieler einlade, dass es ganz
unterschiedliche gibt. Die einen können sich dann gar nichts vorstellen,
wenn eine Szene im Off stattfindet und sie etwas spielen sollen. Da
passiert dann gar nichts. Dann sagen die nur ihren Text auf und ich
muß denen erklären, was sie sich vielleicht vorstellen sollen. Bei
anderen entwickelt sich eine unglaubliche Phantasie. Ich glaube, wir
gehören alle drei zu denen, bei denen sich eine ziemlich rege Phantasie
entwickelt (lacht) und wir uns dann sofort etwas vorstellen können
und das auch ausspielen.
Würdest du jemals auch bei einem Hörspiel selber Regie
führen?
[O. Rohrbeck] Ja! Dazu hätte ich mal Lust, muß ich sagen, weil
das sind eben Sachen, die man sich selber ausdenken kann und
die einem nicht vom Film vorgegeben sind. Und insofern macht es,
glaube ich, besonders viel Spaß mal so etwas zu erarbeiten.
Es gab immer wieder Gerüchte, dass ihr zur 100. Folge
aufhören wollt, aber da ist wahrscheinlich nichts dran.
Vielleicht kannst du unseren Hörern ganz klar sagen, dass
ihr noch weitermacht.
[O. Rohrbeck] Also, da ist erst einmal überhaupt nichts dran!
Wir hatten uns das irgendwann mal vor Jahren überlegt, dass
das die 100. Folge vielleicht der richtige Zeitpunkt wäre. Wir
sind jetzt noch keine betagten Herren, wir sind sozusagen im
guten mittleren reifen Alter und es kann sein, dass wir irgendwann
mal zu alt und nicht mehr so jung klingen. Ich finde, die drei ???
dürfen natürlich nicht wie die ausgewachsenen Bubis oder die
alten Säcke klingen. Irgendwann - wees ick nich - müssen wir
dann sicher mal aufhören. Aber jetzt ist das noch nicht der Fall
und jetzt wollen wir auch noch gar nicht aufhören, weil es uns
gerade selber soviel Spaß macht!
Gab es denn jemals einen Punkt als Teenager oder
danach, wo du gesagt hast: "Hm, das ist eigentlich
nichts für mich" oder war schon immer Spaß dabei?
[O. Rohrbeck] Ach, na Spaß war immer dabei und es ist nicht
so, dass es mich belastet hätte im Laufe der Jahre. Wir sind
drei- oder viermal im Jahr zu Aufnahmen und nicht jede Woche.
Dann würde schon überlegen, ob ich das weitermachen möchte.
Aber es gab natürlich mal so eine Zeit als Teenager, da hat einen
das nicht mehr ganz so interessiert.
Ich glaube, das hat sich sicherlich dann auch in der Qualität der
Folgen ein bisschen wiedergespiegelt. Es gab einmal ganz schlechte,
die auch vom Buch her nicht so gut waren. Diese waren nicht so
glücklich vom Inhalt, die wir vielleicht auch nicht so schön ausgespielt
haben. Das ist aber seit einigen Jahren wieder vorbei und wir haben
die allergrößte Lust und ich denke, das hört man den Folgen auch an!
Wie war denn das in der Schule damals? Haben deine
Mitschüler gesagt: „Mensch, da kommt jetzt Justus
Jonas.“ Waren die ganz stolz, dass du bei ihnen in der
Klasse warst oder haben sie dich gehänselt?
[O. Rohrbeck] Nein, das kam eigentlich gar nicht so zur Rede, mal
wurde man ein bisschen damit aufgezogen, das ist auch passiert. Es
wurde kein großes Theater daraus gemacht. Damals war die Zeiten
noch nicht so, dass man zugegeben hat: "Ich höre Hörspiele und ich
stehe dazu, auch wenn ich schon 15 oder 17 oder 20 bin". Das hat
damals so richtig keiner zugegeben. Das war nach dem Motto: "Was,
du hörst Hörspiele? Wie peinlich." Das Coming-out der Leuten kam
erst viel' später, die auch heute noch dabeigeblieben sind und heute
ganz mutig dazu stehen und sagen: "Ich höre Hörspiele, und ich hör
das gerne und ich schlafe gern dabei ein". Das finde ich auch gut.
Das gab es damals nicht so.
Wie ist das denn mit deinen beiden Töchtern, gibt’s da
auch ab und zu mal Kritikpunkte nach dem Motto: "Oh, da
warst du ganz schön blöd. Oder: Die Szene ist nicht so toll?"
[O. Rohrbeck] Nö, eigentlich nicht. Also die sind da relativ
kritiklos. Die hören die Hörspiele total gerne, aber die würden
jetzt nicht sagen: "Das hat mir nicht so gefallen." Oder: "Warum
hast du das denn so gespielt?" Oder sonst wie. Nö, das machen
sie nicht.
Gut, dann wollen wir das Thema Hörspiel jetzt mal
verlassen und zur Synchronisation kommen. Du warst
bei Pearl Harbour dabei und bist ganz schön ins Stottern
geraten.
[O. Rohrbeck] Ja, total! Da gab’s erst mal eine große Auswahl
und Probesprechen, wer denn nun am besten stottert und dann
wurde ich dazu auserkoren (lacht). Das ist ja eigentlich eine ganz
kleine Rolle, die sich zwar durch den ganzen Film zieht. Aber die
Aufnahme von dieser Rolle war durch dieses Gestotter sehr
schwierig und anstrengend. Da ist mir immer das halbe Nasen-
bein bei herausgeflogen. Ich über fünf Tage - jeden Tag immer
so ein bis zwei Stunden- Aufnahmen gemacht, weil das so
schwierig war und auch die Stimme so belastet hat.
Aber solche Rollen machen doch am meisten Spaß, die
nicht ganz normal sind?
[O. Rohrbeck] Ja!! Na klar!
Wie zum Beispiel bei "Ally McBeal" , der Richard Fish...
[O. Rohrbeck] Ja, aber Schwamm drüber! (lacht)
Wie bist du denn zu dieser Rolle gekommen?
Hat man dich auch geholt?
[O. Rohrbeck] Das war auch wieder so ein kleiner Zufall. Es
wusste erstens kein Mensch, dass das einmal so ein bisschen
Serienkult wird und zweitens hatte ich den gleichen Schauspieler
in einer anderen Serie bereits gesprochen. Das war aber eine
ganz unwichtige Serie, ich muß gestehen, ich weiß schon gar
nicht mehr, wie diese heißt. So bin ich ja immer. Ich vergesse
immer die ganzen Namen und auch von den ganzen Folgen die
Titel.
Es gibt eine Datenbank, wo drinsteht, wen man schon
alles in welchen Filmen und welchen Serien gesprochen hat.
Dort haben sie nachgeguckt und dann wurde ich von Vox
dafür ausgesucht, ihn wieder zu sprechen. Na ja, ich wollte
zu dem Zeitpunkt eigentlich gar keine neue Serie sprechen und
hab dann gesagt: Nee, mach ich nicht. Sie haben mich noch
einmal gebeten. Ich habe es dann schließlich getan und fest-
gestellt, welchen wunderbaren Unsinn dieser Mensch den
ganzen Tag erzählt und welche Frechheiten er von sich gibt.
(lacht) Also ganz prima. Und heute bin ich froh, dass ich das
mache. Wir nehmen im Moment eine neue Staffeln auf. Jetzt
kann ich wieder große Turbulenzen versprechen, die da
stattfinden. (lacht)
Du guckst dir die Filme anschließend selber an und
beurteilst wie du warst?
[O. Rohrbeck] Ab und zu guck ich da rein. Ins Kino gehe ich
ab und zu einmal, Fernsehen sehe ich eigentlich selten. Ich bin
kein großer Fernsehgucker, manchmal ein Dokumentarfilme
oder Tagesschau. Aber Fernsehfilme sehe ich ganz selten.
Und wie ist das, wenn du ins Kino gehst? Hörst du
deinen Kollegen zu, wie sie synchronisiert haben und
sagst: "Oh, das war ja nicht so gut." Oder kannst du
abschalten und den Film genießen?
[O. Rohrbeck] Manchmal kann ich abschalten und
"weghören". Das geht mittlerweile wieder ganz gut. Es gab
einmal eine Phase, in der ich gar nicht abschalten konnte
und bei jedem Film sofort wusste: Aha, der kommt aus
Hamburg, der aus München, der aus Berlin – das höre ich
anhand der Stimmen und der Sprecher – und dann achtet
man sofort auf das, was vielleicht nicht so stimmt. Mittlerweile
interessiert es mich nicht mehr so sehr, obwohl man es
automatisch immer ein bisschen wahrnimmt.
Hörspiele machst du ja sehr gerne. Wie seht es denn
eigentlich mit Hörbüchern aus? Würdest du so etwas
auch gerne machen?
[O. Rohrbeck] Also, ich muß gestehen, ich denke darüber
nach, so etwas mal zu machen. Das ist wieder ein anderes
Medium und hat eben mit dem zu tun, was ich kann. Man
muß ja immer darüber nachdenken, was man selber kann.
Deshalb werden ja viele Fußballer hinterher Trainer.
Und ich denke natürlich auch darüber nach, was kann ich noch,
denn jetzt bin ich noch so jung, dass ich mir Gedanken mache, was
ich im Leben noch machen könnte, ohne immer das gleiche zu
machen. Und das ist etwas, was ich gerne mal machen möchte.
Was sind denn so deine aktuellen Synchronisationsprojekte?
[O. Rohrbeck] Ich texte im Moment eine neue Serie - „Get
real“ - für Vox. Ob diese im Deutschen ebenso heißen wird,
weiß ich allerdings nicht. Dann habe ich einen Film getextet,
den müssen wir bald aufnehmen - da führe ich dann
Regie - „Corti Romano“ heißt er. Der wird mit Peter Falk
als alten Mafia-Paten sein. Dann wird demnächst wohl wieder
ein Jacky-Chun-Film auf mich zukommen. Da freue ich mich
natürlich auch drauf, weil Jacky-Chun-Filme mag ich ganz
besonders. (lacht) Das was Justus nie erreichen wird, so
herumzublubbeln wie Jacky Chun.
Du hast den Vorteil, die Filme immer vorher zu sehen,
also auch bevor sie in Amerika rauskommen. Oder?
[O. Rohrbeck] Na, manchmal laufen sie schon in Amerika,
manchmal sehen wir sie hier vorher. Das stimmt, ja.
Wie kommst du an die Aufträge ran. Läuft das über eine
Synchronfirma?
[O. Rohrbeck] Das läuft über verschiedene Wege. Es gibt hier
12 bis 13 verschiedene Synchronfirmen, die die Arbeit haupt-
sächlich in Berlin machen. Es gibt noch einige in Hamburg,
München und Köln. Die kennen mich natürlich oder auch der
Auftraggeber wie Vox. Auch die UIP, wenn es mal ein Kinofilm
ist oder auch Warner Bros. Die fordern gern den und den
Regisseur, wir möchten zum Beispiel gern Oliver Rohrbeck.
Die Synchronfirma spricht mich dann an.
Checken die amerikanischen Filmfirma ab, wer
synchronisiert?
[O. Rohrbeck] Ja, also bei Filmen machen wir des öfteren
Probesprechen. Neulich musste der Sprecher von
Schwarzenegger zum Probesprechen antreten. Hin und
wieder wollen sogar die Amis immer wieder Probehören.
Aber auch von den deutschen Regisseuren lassen sie sich
Listen geben, was die Sprecher bisher gemacht haben, wer
sie sind und ob sie zu dem Film passen.
Synchronisation ist etwas ziemlich Einmaliges. In
Deutschland wird synchronisiert, in den meisten
anderen europäischen Staaten werden nur Untertitel
gesendet.
[O. Rohrbeck] Ja, also in Frankreich und in Italien wird
noch relativ viel synchronisiert, in Polen wird zum Beispiel
teilweise eingesprochen. Da gibt es dann einen Sprecher,
der dann unter dem Originalton ein bisschen mitspricht.
Aber Kinofilme werden da auch synchronisiert. In der
Schweiz wird alles mit Untertiteln in englisch gezeigt.
Also die Schweizer, die wollen deine Stimme gar
nicht hören?
[O. Rohrbeck] Na, die Schweizer wollen nicht die deutschen
Rechte bezahlen. Der Film mit der deutschen Fassung kostet
in den Rechten dann natürlich mehr und zeigen das lieber in
englisch. Die Schweizer sind das auch so gewohnt und haben
nicht soviel dagegen. Es nun auch noch so ein dreisprachiges
Land. Sie müssten dann drei verschiedene Sprachfassungen
anbieten – französisch, italienisch und deutsch – das wird
ihnen wahrscheinlich zu aufwendig sein für den kleinen Markt.
Du hast bei Radio Fritz deine neue Internetseite
erwähnt, voice4u.de. Vielleicht kannst du darüber
noch etwas erzählen.
[O. Rohrbeck] Ja, voice4u, das ist eine neue Internetseite,
an der ich mich sozusagen als Unternehmer beteiligt habe. Mit
dem Hintergrund, dass wir denken, dass das Internet im Laufe
der Zeit durch die besseren Übertragungsraten auch Ton
bekommen wird. Das hört man schon immer öfter, dass
beispielsweise Musik auf den Seiten ist.
Wir glauben, dass auch die Stimme bald dazukommt und bieten
als Internetfirma das an, dass man sich für seine Internetseite
als Firma oder auch als Privatmann die Stimme seines
Hollywoodstars aussuchen kann. D. h. die deutschen Stimmen
der Hollywoodstars kann man bei uns buchen und sich
persönliche Sachen sprechen lassen, wie beispielsweise eine
Begrüßung auf der Internetseite oder eine Führung durch die
Internetseite oder ähnliches. Die Stimmen kann man sich auf
unserer Internetseite anhören, dort gibt es ganz viel Sprach-
und Stimmbeispiele der ganzen bekannten Synchronstimmen.
Das hört sich interessant an. Das heißt, man kann
dich dort auch buchen?
[O. Rohrbeck] Ja, man kann mich auch buchen. Aber ob
man sich das leisten kann? (lacht) Das ist eine andere Frage.
Wir: Vielen Dank!
[O. Rohrbeck] Tschüß, alles Gute!
Das Interview ist eine Co-Operation von HörNews.de & Rocky-Beach.com
und wurde per Telefon geführt.
© 2001 by HörNews.de & Rocky-Beach.com
Online seit 3. September 2001!
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